Die meisten Menschen wissen, dass Rauchen der Lunge schadet. Weniger bekannt ist, wie viele andere Organe betroffen sind: Herz und Blutgefäße, Gehirn, Stoffwechsel, Haut, Zähne und die sexuelle Gesundheit. Rauchen erhöht außerdem das Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen und kann die Lebenserwartung deutlich verkürzen.
Tabakkonsum gehört zu den wichtigsten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. In Deutschland sterben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr mehr als 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.
Die gute Nachricht: Ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter. Auch wer viele Jahre geraucht hat, kann sein Erkrankungsrisiko durch einen dauerhaften Rauchstopp deutlich reduzieren.
Was passiert beim Rauchen im Körper?
Tabakrauch enthält eine Vielzahl chemischer Substanzen, darunter zahlreiche giftige und krebserzeugende Stoffe. Nikotin ist vor allem für die Abhängigkeit verantwortlich. Es aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und führt dazu, dass sich relativ schnell eine körperliche und psychische Abhängigkeit entwickeln kann.
Gleichzeitig führt Nikotin unter anderem zu einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems: Herzfrequenz und Blutdruck können vorübergehend steigen und Blutgefäße verengen sich.
Die langfristigen gesundheitlichen Schäden entstehen jedoch nicht allein durch Nikotin, sondern insbesondere durch die zahlreichen Verbrennungsprodukte und Schadstoffe des Tabakrauchs.
Herz und Gefäße
Rauchen schädigt die Gefäßwände und begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose. Dadurch steigt unter anderem das Risiko für:
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- koronare Herzkrankheit
- Durchblutungsstörungen
Besonders ungünstig ist die Kombination des Rauchens mit weiteren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder erhöhten Blutfetten.
Lunge und Atemwege
Die Atemwege sind dem Tabakrauch unmittelbar ausgesetzt. Typische Folgen können chronischer Husten, vermehrte Schleimbildung und eine zunehmende Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit sein.
Rauchen ist zudem der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für die Entwicklung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Bei fortgeschrittener Erkrankung können bereits alltägliche Belastungen wie Treppensteigen oder längeres Gehen zu deutlicher Atemnot führen.
Auch Atemwegsinfektionen und Lungenentzündungen treten bei Rauchenden häufiger auf.
Rauchen und Krebs
Lungenkrebs ist die bekannteste mit dem Rauchen verbundene Krebserkrankung. Tabakkonsum erhöht jedoch auch das Risiko für zahlreiche weitere Krebsarten, unter anderem im Bereich von Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf.
Auch verschiedene andere Organe können betroffen sein. Die im Tabakrauch enthaltenen krebserzeugenden Substanzen gelangen über die Lunge in den Körper und können über das Blut weitere Gewebe erreichen.
Es gibt deshalb keine gesundheitlich unbedenkliche Menge an Tabakrauch.
Stoffwechsel und Diabetes
Rauchen beeinflusst auch den Stoffwechsel. Es kann die Insulinempfindlichkeit beeinträchtigen und steht mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes in Zusammenhang.
Bei Menschen, die bereits an Diabetes erkrankt sind, ist Rauchen besonders problematisch: Diabetes und Rauchen schädigen beide die Blutgefäße und erhöhen gemeinsam das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere Folgeerkrankungen.
Sexualität und Fruchtbarkeit
Durch die Schädigung der Blutgefäße kann Rauchen auch die Durchblutung der Geschlechtsorgane beeinträchtigen. Bei Männern steigt damit unter anderem das Risiko für Erektionsstörungen.
Auch die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern kann beeinträchtigt werden.
Während einer Schwangerschaft sollte vollständig auf Tabak und Nikotin verzichtet werden. Rauchen kann die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und erhöht unter anderem das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, Frühgeburt und ein niedriges Geburtsgewicht.
Haut, Zähne und Wundheilung
Rauchen beeinträchtigt die Durchblutung des Gewebes und kann die Wundheilung verzögern. Nach Operationen kann dadurch das Risiko für Komplikationen steigen.
Auch Zahnfleisch und Zahnhalteapparat werden geschädigt. Parodontitis tritt bei Rauchenden häufiger auf. Langfristig kann Rauchen außerdem die Hautalterung beschleunigen.
Passivrauchen ist ebenfalls gesundheitsschädlich
Nicht nur die rauchende Person selbst ist betroffen. Auch Menschen, die regelmäßig Tabakrauch einatmen, werden Schadstoffen ausgesetzt.
Besonders wichtig ist der Schutz von Kindern, Schwangeren und Menschen mit chronischen Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wohnung und Auto sollten deshalb möglichst vollständig rauchfrei bleiben.
Sind E-Zigaretten und Tabakerhitzer eine gesunde Alternative?
E-Zigaretten erzeugen keinen klassischen Tabakrauch und können deshalb eine andere Schadstoffbelastung aufweisen als herkömmliche Zigaretten. Harmlos sind sie dennoch nicht.
Die Aerosole können gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, und viele Produkte enthalten Nikotin und können eine Abhängigkeit aufrechterhalten.
Besonders ungünstig ist der dauerhafte parallele Konsum von klassischen Zigaretten und E-Zigaretten. Tabakerhitzer sind ebenfalls keine gesundheitlich unbedenklichen Produkte und gelten nicht als reguläre Methode zur Tabakentwöhnung.
Das langfristige Ziel sollte deshalb nicht nur der Wechsel des Produktes sein, sondern möglichst die vollständige Beendigung des Tabak- und Nikotinkonsums.
Warum ist Aufhören so schwierig?
Rauchen ist häufig weit mehr als eine schlechte Angewohnheit. Nikotin kann eine ausgeprägte Abhängigkeit verursachen.
Zusätzlich wird Rauchen mit bestimmten Situationen verbunden: der Kaffee am Morgen, die Arbeitspause, Stress, Autofahren, Alkohol oder das Treffen mit Freunden. Dadurch entsteht neben der körperlichen Abhängigkeit ein erlerntes Verhalten.
Dass ein Rauchstopp nicht beim ersten Versuch gelingt, ist deshalb keine Seltenheit. Mehrere Versuche können notwendig sein.
Rauchstopp: Unterstützung erhöht die Erfolgschancen
Man muss einen Rauchstopp nicht allein bewältigen. Besonders erfolgversprechend ist häufig eine Kombination aus professioneller Beratung bzw. verhaltenstherapeutischer Unterstützung und – wenn medizinisch sinnvoll – einer medikamentösen Unterstützung.
Mögliche Hilfen sind beispielsweise:
- ärztliche Beratung und gemeinsame Planung eines Rauchstopps
- strukturierte Tabakentwöhnungsprogramme
- Einzel- oder Gruppenkurse
- telefonische und digitale Beratungsangebote
- Nikotinersatzpräparate wie Pflaster oder Kaugummis
- in geeigneten Fällen verschreibungspflichtige Medikamente
- digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)
Welche Methode sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Stärke der Nikotinabhängigkeit, bisherigen Rauchstoppversuchen, Begleiterkrankungen und persönlichen Präferenzen ab.
Unterstützung durch die Krankenkasse
Viele gesetzliche Krankenkassen unterstützen qualitätsgeprüfte Nichtraucher- und Tabakentwöhnungskurse finanziell. Umfang und Voraussetzungen können sich je nach Krankenkasse unterscheiden. Es lohnt sich deshalb, direkt bei der eigenen Krankenkasse nach entsprechenden Präventions- und Entwöhnungsangeboten zu fragen.
Auch die Kostenübernahme bestimmter Medikamente zur Tabakentwöhnung wurde für Menschen mit einer festgestellten schweren Tabakabhängigkeit im Rahmen evidenzbasierter Entwöhnungsprogramme gesetzlich ermöglicht. Welche Voraussetzungen aktuell gelten, sollte individuell geprüft werden.
DiGA: digitale Unterstützung auf Rezept
Eine weitere Möglichkeit sind Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) – umgangssprachlich auch „Apps auf Rezept“.
DiGA werden vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft und können bei entsprechender medizinischer Indikation ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet werden. Die Kosten werden bei verordnungsfähigen Anwendungen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.
Auch für die Tabakentwöhnung stehen entsprechende digitale Angebote zur Verfügung. Sie können beispielsweise dabei unterstützen, den Rauchstopp vorzubereiten, persönliche Auslöser zu erkennen, Strategien gegen das Rauchverlangen zu entwickeln und Rückfällen vorzubeugen.
Ob eine entsprechende DiGA im individuellen Fall geeignet ist, kann im ärztlichen Gespräch geklärt werden.
Was verbessert sich nach dem Rauchstopp?
Der Körper beginnt bereits nach dem Rauchstopp mit Erholungsprozessen. Langfristig sinken unter anderem die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene durch Tabakkonsum verursachte Erkrankungen.
Manche Menschen nehmen nach dem Rauchstopp zunächst etwas an Gewicht zu. Das sollte kein Grund sein, weiterzurauchen. Eine mögliche Gewichtszunahme lässt sich durch Ernährung, Bewegung und gegebenenfalls professionelle Unterstützung gezielt angehen – die gesundheitlichen Vorteile des Rauchstopps überwiegen deutlich.
Fazit: Für einen Rauchstopp ist es nie zu spät
Wer raucht, muss nicht darauf warten, bis erste Beschwerden auftreten. Ein Rauchstopp gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, die Raucherinnen und Raucher selbst zur Verbesserung ihrer langfristigen Gesundheit ergreifen können.
Dabei muss niemand allein auf Willenskraft setzen. Beratung, strukturierte Entwöhnungsprogramme, Nikotinersatz oder Medikamente sowie digitale Angebote können die Behandlung unterstützen.
Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören möchten. Gemeinsam können wir besprechen, welche Unterstützung für Sie sinnvoll sein könnte.
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag wurde sorgfältig nach aktuellem medizinischem Wissensstand erstellt und dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Tabakentwöhnung wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.