Kopfschmerzen: Ursachen verstehen, Beschwerden lindern und Warnzeichen erkennen

Fast jeder kennt Kopfschmerzen: Sie können drücken, pochen oder stechen und manchmal schon nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Bei anderen Menschen treten sie regelmäßig auf und beeinträchtigen Arbeit, Freizeit und Familienleben. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen sind Kopfschmerzen nicht gefährlich und lassen sich gezielt behandeln. Wichtig ist, die Art der Beschwerden zu erkennen und die Akutbehandlung mit einer wirksamen Vorbeugung zu verbinden.

Wie verbreitet Kopfschmerzen sind, zeigt eine deutsche Befragung des Robert Koch-Instituts: Innerhalb eines Jahres waren rund 58 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer betroffen. Etwa 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer erfüllten die Kriterien einer Migräne. Kopfschmerzen sind somit kein seltenes Problem – sie sollten aber ernst genommen werden, wenn sie häufig auftreten, sich verändern oder den Alltag zunehmend einschränken. (⁠Robert Koch-Institut)

Welche Ursachen kommen infrage?

Bei primären Kopfschmerzen ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung. Dazu zählen insbesondere Spannungskopfschmerzen und Migräne. Sekundäre Kopfschmerzen entstehen dagegen als Folge einer anderen Ursache, beispielsweise eines Infekts, einer Kopfverletzung oder einer Medikamentenwirkung. Seltener stecken gefährliche Erkrankungen wie Hirnblutungen oder Hirnhautentzündungen dahinter.

Spannungskopfschmerzen fühlen sich meist dumpf und drückend an, häufig auf beiden Kopfseiten – ähnlich einem zu engen Band. Die Schmerzen sind gewöhnlich leicht bis mittelstark und verstärken sich durch normale Alltagsbewegung nicht wesentlich. Trotz ihres Namens lassen sie sich nicht einfach auf verspannte Nackenmuskeln zurückführen. Ihre Entstehung ist komplex und nicht vollständig geklärt. gesund.bund.de: Spannungskopfschmerzen

Migräne verursacht häufig mittelstarke bis starke, pulsierende Schmerzen. Sie können einseitig oder beidseitig auftreten und sich bei Bewegung verstärken. Typisch sind Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Unbehandelt dauert eine Attacke bei Erwachsenen meist 4 bis 72 Stunden. Manche Betroffene erleben eine Aura, etwa mit vorübergehenden Sehstörungen oder Kribbeln. Neue neurologische Ausfälle müssen sofort abgeklärt werden und dürfen nicht eigenständig als Aura eingeordnet werden. gesund.bund.de: Migräne

Deutlich seltener sind Clusterkopfschmerzen: extrem starke, streng einseitige Schmerzattacken im Augenbereich, häufig mit tränendem Auge, laufender Nase und ausgeprägter Unruhe. Sie benötigen eine gezielte ärztliche Behandlung. gesund.bund.de: Clusterkopfschmerzen

Stress und Psychosomatik: Wie hängen Körper und Psyche zusammen?

Stress kann Kopfschmerzattacken begünstigen und bestehende Schmerzen verstärken. Bei Migräne treten Attacken manchmal erst nach einer belastenden Phase auf, beispielsweise am Wochenende. Auch Schlafmangel und unregelmäßige Mahlzeiten können die Anfälligkeit erhöhen. Dabei reagieren Menschen unterschiedlich auf mögliche Auslöser. gesund.bund.de: MigräneAttachment.tiff

Psychosomatik beschreibt das Zusammenspiel körperlicher, psychischer und sozialer Faktoren. Anhaltende Belastung, Ängste oder depressive Beschwerden können die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Umgekehrt belasten häufige Schmerzen die Stimmung und das Familien- und Berufsleben. Daraus kann ein sich gegenseitig verstärkender Kreislauf entstehen. Die Schmerzen sind real; Betroffene tragen keine Schuld an ihrer Erkrankung. Psychologische Schmerztherapie hilft, diesen Kreislauf zu verändern und die Lebensqualität zu verbessern. DGN/DMKG: Migräneleitlinie

Was hilft ohne Medikamente?

Entspannungsverfahren gehören zu den empfohlenen Möglichkeiten der Migränevorbeugung. Ein gut erlernbares Verfahren ist die progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Muskelgruppen werden bewusst angespannt und anschließend gelockert. Auch Biofeedback und kognitive Verhaltenstherapie können helfen. Achtsamkeit kann insbesondere den Umgang mit Beschwerden und die Lebensqualität verbessern. Regelmäßiges Üben ist entscheidend – auch an schmerzfreien Tagen. Als alltagstauglicher Einstieg lassen sich beispielsweise täglich zehn Minuten fest einplanen. DGN/DMKG: Migräneleitlinie

Regelmäßiger Ausdauersport kann Migräneattacken vorbeugen. Geeignet sind beispielsweise zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Beginnen Sie mit einer gut verträglichen Belastung und steigern Sie diese schrittweise. Ein möglicher Einstieg sind drei kurze Einheiten pro Woche. Auch Krafttraining kann Bestandteil der Vorbeugung sein. Während einer akuten Migräneattacke ist körperliche Anstrengung häufig unangenehm; dann sind Ruhe und eine reizarme Umgebung sinnvoll. Bei Spannungskopfschmerzen kann leichte Bewegung dagegen angenehm sein. DMKG: Patientenleitlinie Migräne

Schlaf verdient ebenso viel Aufmerksamkeit wie Bewegung: Möglichst gleichmäßige Schlafens- und Aufstehzeiten, ausreichend Erholung und ein ruhiger Tagesausklang können helfen. Starke Wechsel zwischen kurzen Nächten und langem Ausschlafen sind bei Migräne oft ungünstig. Wer anhaltend schlecht schläft, sollte dies beim Arzttermin ansprechen. gesund.bund.de: Migräne

Welche Rolle spielen Ernährung, Alkohol und Rauchen?

Regelmäßige Mahlzeiten und ausreichendes Trinken sind eine sinnvolle Grundlage. Besonders bei Migräne können ausgelassene Mahlzeiten problematisch sein. Eine spezielle Diät, die zuverlässig allen Betroffenen hilft, ist bisher nicht ausreichend belegt. Pauschale Lebensmittelverbote sind deshalb wenig sinnvoll. Ein Kopfschmerzkalender kann helfen, wiederholbare persönliche Zusammenhänge zu erkennen. gesund.bund.de: Migräne⁠ , DMKG: Patientenleitlinie Migräne

Alkohol kann Migräneattacken auslösen; die Empfindlichkeit ist individuell. Bei Clusterkopfschmerzen können während einer aktiven Erkrankungsphase bereits kleine Mengen eine Attacke provozieren. Dann sollte Alkohol gemieden werden. Rauchen ist bei Clusterkopfschmerzen häufig, daraus ergibt sich jedoch kein Beweis, dass es allein die Erkrankung verursacht. gesund.bund.de: Clusterkopfschmerzen

Ein Rauchstopp ist auch bei Migräne sinnvoll: Besonders bei Migräne mit Aura sollten zusätzliche Gefäßrisiken wie Rauchen konsequent reduziert werden. Dass dadurch sämtliche Kopfschmerzen verschwinden, lässt sich allerdings nicht versprechen. DGN/DMKG: Migräneleitlinie

Wann sind Medikamente sinnvoll?

Bei belastenden Spannungskopfschmerzen können geeignete Schmerzmittel kurzfristig helfen. Welche Mittel infrage kommen, hängt unter anderem von Vorerkrankungen und anderen Medikamenten ab. Häufige Einnahme kann selbst zu zusätzlichen Kopfschmerzen führen. gesund.bund.de: Spannungskopfschmerzen

Bei Migräne kommen neben Schmerzmitteln wie Ibuprofen auch spezielle Migränemittel, insbesondere Triptane, infrage. Bei häufigen oder stark beeinträchtigenden Attacken sollte eine vorbeugende Behandlung besprochen werden. Je nach Situation stehen beispielsweise Betablocker, andere vorbeugende Medikamente, CGRP-Antikörper oder Gepante zur Verfügung; bei chronischer Migräne auch Botulinumtoxin. Die Auswahl erfolgt individuell. DMKG: Patientenleitlinie Migräne

Wer Akutmedikamente regelmäßig an etwa zehn Tagen im Monat benötigt, sollte frühzeitig ärztlichen Rat suchen. Entscheidend sind die Einnahmetage, nicht nur die Tablettenzahl. Ein Kopfschmerzkalender mit Schmerztagen, Begleitsymptomen und Medikamenteneinnahme erleichtert die Behandlungsplanung. DMKG: Kopfschmerzbroschüre

Wann sind weitere Untersuchungen nötig?

Bei wiederkehrenden, zunehmenden oder im Alltag belastenden Kopfschmerzen ist die hausärztliche Untersuchung eine sinnvolle erste Anlaufstelle. Besonders sorgfältig müssen neuartige Kopfschmerzen ab dem 50. Lebensjahr, während Schwangerschaft oder Wochenbett, nach Kopfverletzungen sowie bei Krebs oder einer Immunschwäche beurteilt werden. Auch neue Beschwerden bei Husten, Pressen oder körperlicher Belastung gehören abgeklärt.

Sofortige Hilfe ist nötig bei:

  • schlagartig einsetzendem, extrem starkem Kopfschmerz;
  • neuen Lähmungen, Sprachstörungen, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen;
  • Kopfschmerzen mit Fieber, Nackensteife oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl;
  • einem akut schmerzhaften roten Auge mit Sehverschlechterung.

Bei plötzlich stärksten Kopfschmerzen oder neurologischen Ausfällen 112 anrufen. Auch die anderen genannten Warnzeichen erfordern eine sofortige medizinische Beurteilung.

Warum ein MRT nicht immer weiterhilft

Bei einem typischen, unveränderten Migräne- oder Spannungskopfschmerzmuster und unauffälliger neurologischer Untersuchung ist eine Bildgebung normalerweise nicht notwendig. Die Diagnose beruht vor allem auf dem Gespräch und der Untersuchung. Ein unauffälliges MRT macht die Schmerzen deshalb keineswegs weniger real.

Bei Warnzeichen wird dagegen gezielt untersucht: je nach Verdacht mit MRT, im akuten Notfall häufig mit CT. Manchmal sind zusätzlich Blutuntersuchungen, Gefäßdiagnostik oder eine Untersuchung des Nervenwassers erforderlich. Ein MRT allein kann nicht jede Kopfschmerzursache ausschließen. DMKG: Kopfschmerzbroschüre⁠.

Wenn Kopfschmerzen Ihren Alltag regelmäßig einschränken, vereinbaren Sie einen Termin in unserer Hausarztpraxis. Bringen Sie möglichst einen Kopfschmerzkalender und eine Übersicht Ihrer Medikamente mit. Gemeinsam klären wir, welche Behandlung und welche weiteren Untersuchungen für Sie sinnvoll sind.

Weiterführende Informationen

Hinweis: Dieser Beitrag wurde sorgfältig erstellt und dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.

Über den Autor

Ein Bild von Dr. medic. Adrian Angelescu - Facharzt für Allgemeinmedizin

Dr. Adrian Angelescu

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