Alkohol und Gesundheit: Was regelmäßiger Konsum mit unserem Körper macht

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Ein Glas Wein zum Abendessen, ein Bier nach der Arbeit oder mehrere Getränke am Wochenende – Alkohol gehört für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag. Gleichzeitig werden seine gesundheitlichen Auswirkungen häufig unterschätzt.

Lange hielt sich sogar die Vorstellung, kleine Mengen Alkohol könnten insbesondere für Herz und Kreislauf gesund sein. Nach heutigem Wissensstand lässt sich diese Aussage so nicht aufrechterhalten.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) formuliert es inzwischen eindeutig: Es gibt keine gesundheitlich risikofreie Menge Alkohol. Wer keinen Alkohol trinkt, sollte aus gesundheitlichen Gründen auch nicht damit anfangen. Wer Alkohol konsumiert, kann sein persönliches Gesundheitsrisiko reduzieren, indem er möglichst wenig und möglichst selten trinkt. (⁠DGE)

Warum wirkt Alkohol auf so viele Organe?

Der Alkohol in Bier, Wein oder Spirituosen ist Ethanol. Er ist eine psychoaktive und toxische Substanz und kann abhängig machen. Alkohol und seine Abbauprodukte wirken nicht nur auf die Leber, sondern auf zahlreiche Organe und Stoffwechselvorgänge.

Deshalb können die gesundheitlichen Folgen sehr unterschiedlich sein – vom schlechteren Schlaf über Bluthochdruck und Gewichtszunahme bis zu Lebererkrankungen, psychischen Problemen und einem erhöhten Krebsrisiko. Die WHO bringt Alkoholkonsum mit mehr als 200 Erkrankungen, Verletzungen und anderen gesundheitlichen Folgen in Verbindung. (⁠DGE)

Alkohol und Blutdruck

Regelmäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen. Besonders bei bereits bestehendem Bluthochdruck kann Alkohol deshalb ein relevanter und manchmal unterschätzter Faktor sein.

Wer erhöhte Blutdruckwerte hat und regelmäßig Alkohol trinkt, sollte daher nicht nur über Salz, Gewicht, Bewegung und Medikamente sprechen, sondern auch den eigenen Alkoholkonsum kritisch betrachten.

Eine Reduktion des Alkoholkonsums kann ein sinnvoller Bestandteil der Behandlung eines erhöhten Blutdrucks sein.

Alkohol und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Vielleicht haben Sie schon einmal gehört, dass ein Glas Rotwein das Herz schützen soll. Diese Vorstellung stammt unter anderem aus älteren Beobachtungsstudien.

Heute wird dieser vermeintliche Schutz wesentlich kritischer beurteilt. Selbst wenn bei einzelnen Erkrankungen statistische Zusammenhänge mit einem geringeren Risiko beobachtet wurden, stehen diesen mögliche Nachteile gegenüber – beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfälle, Lebererkrankungen und verschiedene Krebsarten.

Alkohol sollte deshalb nicht zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen getrunken werden. (⁠DGE)

Alkohol und Stoffwechsel: viele Kalorien, wenig Nutzen

Alkohol liefert etwa 7 Kilokalorien pro Gramm und damit fast so viel Energie wie Fett mit 9 Kilokalorien pro Gramm. (⁠DGE)

Hinzu kommen bei Bier, Wein, Cocktails und Mixgetränken häufig weitere Kalorien aus Kohlenhydraten oder Zucker.

Alkohol kann deshalb das Abnehmen deutlich erschweren. Der Körper priorisiert den Abbau von Alkohol, während andere Stoffwechselprozesse vorübergehend in den Hintergrund treten. Regelmäßiger Konsum kann außerdem ungünstige Auswirkungen auf Blutfette, Gewicht und Fettstoffwechsel haben.

Gerade bei Übergewicht, erhöhten Triglyzeriden oder einer Fettleber lohnt es sich deshalb, den Alkoholkonsum genauer anzuschauen.

Alkohol und Fettleber

Die Leber übernimmt einen großen Teil des Alkoholabbaus. Regelmäßiger oder hoher Alkoholkonsum kann zur Einlagerung von Fett in der Leber führen.

Eine Fettleber verursacht häufig über lange Zeit überhaupt keine Beschwerden. Trotzdem kann sie fortschreiten. Bei anhaltender Schädigung können Entzündungen und Vernarbungen entstehen – bis hin zur Leberzirrhose.

Besonders ungünstig ist die Kombination verschiedener Risikofaktoren. Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes beziehungsweise Insulinresistenz, ungünstige Ernährung und Alkohol können gemeinsam die Leber belasten.

Wer bereits eine Fettleber hat, sollte deshalb seinen Alkoholkonsum besonders kritisch hinterfragen.

Alkohol und Schlaf: schneller einschlafen bedeutet nicht besser schlafen

Ein verbreiteter Irrtum lautet: „Mit einem Glas Wein schlafe ich besser.“

Tatsächlich kann Alkohol zunächst müde machen und das Einschlafen erleichtern. Die Qualität des Schlafes kann sich jedoch verschlechtern.

Im Laufe der Nacht kann Alkohol die normale Schlafarchitektur verändern. Der Schlaf wird unruhiger und weniger erholsam. Manche Menschen wachen häufiger auf, schwitzen stärker oder müssen nachts häufiger zur Toilette.

Alkohol kann außerdem Schnarchen und schlafbezogene Atemstörungen ungünstig beeinflussen.

Das Ergebnis merkt man häufig erst am nächsten Tag: Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, geringere Leistungsfähigkeit und das Gefühl, trotz ausreichender Schlafdauer nicht richtig erholt zu sein.

Alkohol und Psyche

Alkohol wirkt direkt auf das zentrale Nervensystem. Kurzfristig können Hemmungen sinken und Entspannung oder Euphorie entstehen. Genau dieser Effekt kann aber problematisch werden, wenn Alkohol regelmäßig zur Stressbewältigung eingesetzt wird.

„Ich brauche abends ein Glas zum Abschalten“ kann sich schleichend zu einem festen Ritual entwickeln.

Bei regelmäßigem oder höherem Konsum können unter anderem Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Angst, depressive Beschwerden, Konzentrationsstörungen und Schlafprobleme verstärkt werden.

Gleichzeitig besitzt Alkohol ein Abhängigkeitspotenzial. Dabei muss eine problematische Entwicklung nicht mit täglichem starkem Trinken beginnen.

Warnzeichen können beispielsweise sein, dass die Menge langsam zunimmt, alkoholfreie Tage zunehmend schwerfallen oder Alkohol regelmäßig benötigt wird, um sich zu entspannen, einzuschlafen oder mit Problemen umzugehen.

Alkohol, Sexualität und Libido

Kleine Mengen Alkohol können kurzfristig Hemmungen reduzieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass Alkohol die Sexualfunktion verbessert.

Höhere oder regelmäßige Mengen können sexuelle Funktionen beeinträchtigen. Bei Männern können unter anderem Erektionsprobleme auftreten. Chronisch hoher Konsum kann zudem hormonelle Veränderungen begünstigen.

Auch bei Frauen können sexuelle Funktion, hormonelle Regulation und Fruchtbarkeit beeinträchtigt werden.

Eine nachlassende Libido oder sexuelle Funktionsstörung hat allerdings viele mögliche Ursachen. Alkohol ist nur einer davon – aber einer, der im ärztlichen Gespräch manchmal vergessen wird.

Alkohol erhöht das Krebsrisiko

Dieser Punkt ist besonders wichtig.

Alkohol ist von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als krebserregend für Menschen eingestuft. Alkohol kann unter anderem das Risiko für Krebserkrankungen von Mundhöhle und Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Leber, Darm und Brust erhöhen. (⁠Weltgesundheitsorganisation)

Dabei gilt nicht: „Unterhalb einer bestimmten Menge passiert nichts.“

Gerade beim Krebsrisiko gibt es nach Einschätzung der WHO keine sichere Alkoholmenge. Auch kleine Mengen können das Risiko bestimmter alkoholbedingter Krebsarten erhöhen. Mit zunehmender Menge steigt das Risiko weiter. (⁠Weltgesundheitsorganisation)

Das bedeutet nicht, dass jemand nach einem Glas Wein Krebs bekommt. Es bedeutet, dass sich das statistische Erkrankungsrisiko mit der konsumierten Alkoholmenge verändert.

Gibt es überhaupt einen „gesunden“ Alkoholkonsum?

Nein.

Das ist eine der wichtigsten Veränderungen gegenüber älteren Empfehlungen.

Die DGE schreibt heute ausdrücklich, dass es keine potenziell gesundheitsfördernde und sichere Alkoholmenge gibt. Die gesundheitlich günstigste Variante ist deshalb, keinen Alkohol zu trinken. (⁠DGE)

Gleichzeitig sollte man Risiken realistisch einordnen: Zwischen einem gelegentlichen Glas und täglichem oder starkem Alkoholkonsum besteht selbstverständlich ein erheblicher Unterschied.

Es geht deshalb nicht darum, Menschen wegen eines gelegentlichen Glases Wein Angst zu machen. Entscheidend ist die einfache Regel:

Je weniger Alkohol, desto geringer das alkoholbedingte Gesundheitsrisiko.

Welche Mengen gelten aktuell als problematisch?

Die DGE unterscheidet bei gesunden, nicht schwangeren oder stillenden Erwachsenen zwischen verschiedenen Risikobereichen:

  • unter 27 g Alkohol pro Woche: risikoarmer Bereich, ungefähr 1–2 kleine alkoholische Getränke pro Woche
  • 27–81 g pro Woche: moderates Krankheitsrisiko
  • über 81 g pro Woche: hohes Risiko für gesundheitliche Folgeschäden

Wichtig: „Risikoarm“ bedeutet nicht „risikofrei“ oder „gesund“. (⁠DGE)

Besonders ungünstig ist es, größere Mengen innerhalb kurzer Zeit zu trinken. Rauschtrinken sollte unabhängig vom durchschnittlichen Wochenkonsum vermieden werden.

Wann sollte man den eigenen Konsum hinterfragen?

Ein guter Anlass ist bereits die Frage: „Warum trinke ich eigentlich Alkohol?“

Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn Alkohol regelmäßig zum Feierabend gehört, zum Einschlafen benötigt wird, gegen Stress oder schlechte Stimmung eingesetzt wird, die konsumierte Menge zunimmt oder alkoholfreie Tage schwerfallen.

Auch bei Bluthochdruck, Schlafproblemen, Übergewicht, erhöhten Leberwerten, Fettleber, erhöhten Triglyzeriden, psychischen Beschwerden oder sexuellen Funktionsstörungen kann es sinnvoll sein, den Alkoholkonsum für einige Wochen deutlich zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten.

Oft werden Veränderungen bei Schlaf, Blutdruck, Leistungsfähigkeit oder Gewicht bereits im Alltag bemerkbar.

Fazit: Weniger ist besser – null ist am risikoärmsten

Alkohol gehört gesellschaftlich für viele Menschen dazu. Medizinisch betrachtet ist er jedoch kein gesundheitsförderndes Lebensmittel.

Er kann Blutdruck und Stoffwechsel beeinflussen, den Schlaf verschlechtern, Leber und Herz-Kreislauf-System belasten, psychische Erkrankungen begünstigen, die Sexualfunktion beeinträchtigen und das Risiko verschiedener Krebserkrankungen erhöhen.

Deshalb gilt nach aktuellem Wissensstand:

Es gibt keine gesundheitlich risikofreie Alkoholmenge. Wer Alkohol trinkt, reduziert sein persönliches Risiko, wenn er weniger und seltener trinkt. Wer keinen Alkohol trinkt, sollte aus gesundheitlichen Gründen auch nicht damit anfangen.

Und wer merkt, dass es schwierig wird, den eigenen Konsum zu reduzieren, sollte das Thema offen ärztlich ansprechen. Alkoholkonsum ist ein Gesundheitsthema – kein Grund für Scham.


Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag wurde sorgfältig und nach aktuellem medizinischem Wissensstand erstellt. Er dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zu Ihrem persönlichen Alkoholkonsum wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.

Über den Autor

Ein Bild von Dr. medic. Adrian Angelescu - Facharzt für Allgemeinmedizin

Dr. Adrian Angelescu

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